Christliche Online-Ghettoisierung

Der Sämann hat mir mit seinem Artikel den passenden Denkanstoß zu einem eigenen Beitrag gegeben, den ich eigentlich schon lange mal schreiben wollte.

Die christliche Ghettoisierung im Web wächst vor allem im Bereich der Communitys von Tag zu Tag. Genau wie im alltäglichen Leben bewegen sich Christen auch im Netz immer mehr in ihren eigenen Kreisen und schließen sich zum großen Teil von der Außenwelt ab. Und ohne es wirklich zu bemerken, haben wir mit unseren eigenen Projekten – besonders inyouth.de – dazu beigetragen. Gerade das wogegen ich persönlich im realen Leben ankämpfe, haben wir aktiv mit unterstützt. Mir stellt sich momentan wirklich die Frage, was genau der Nutzen und Vorteil von christlichen Communitys ist.

Wozu müssen wir uns als Christen in irgendwelchen eigenen Nischen verkriechen und im eigenen Saft schmoren, wenn wir genauso gut auch normale Social Networks, wie z.B. Facebook, MySpace usw., dafür nutzen können, um mit unseren ganzen Freunden zu kommunizieren, in Gruppen zu diskutieren, Leute kennen zu lernen usw.

Nicht dass man mich falsch versteht, ich habe jetzt nichts grundsätzlich gegen christliche Webprojekte, so halte ich z.B. Blogs mit Inhalten zu Glaube, Theologie usw. für gut, hilfreich und notwendig. Aber in einigen Bereichen finde ich sie eben auch mittlerweile ziemlich überflüssig und teilweise auch destruktiv. Diese Überlegungen werden ganz praktische Auswirkungen auf unsere weitere Arbeit und Projekte haben. Besonders im Fall von inyouth.de werden wir uns in den nächsten Wochen genau überlegen, wie wir damit weitermachen wollen und welchen Sinn das überhaupt hat.

21. August 2007 von Peter Unruh
Kategorien: Netzwelt, Projekte | Schlagwörter: , , , , , | 11 Kommentare

Kommentare (11)

  1. auch wenn ich dir im groben zustimme, so schlimm sind diese »christlichen communitys« nicht und ich denke es wäre ein verlust wenn sie nicht da wären…

    ich bin nun seit langer zeit bei http://www.youthweb.de aktiv (ähnelt ja im grunde inyouth.de) und ich muss sagen ohne yw hätte ich viele menschen nicht lieben und schätzen gelernt! in diesen communitys können sich auch die als christen zu erkennen geben, die sonst nicht immer den mut finden :(
    das heisst z.b. in meinem fall: wo ich beim bloggen allgemein bin und nicht auf die themen eingehe die mich in meinem glauben beschäftigen, so kann ich in einer dieser communitys schnell gleichgesinnte finden und habe sofort gesprächsstoff!

    ps: klar darf man sich nicht nur in diesen communitys verschliessen – man sollte zugleich lernen zeugnis in der realität zu sein

  2. Sehr gute Gedanken Peter! Ich unterstütze sie! Die Bibel sagt uns daß wir nicht »von dieser Welt sind« jedoch »in dieser Welt« leben. Wenn ich mir Lukas 15 anschaue, dort sitzt Jesus mit »Sündern« und ißt mit Ihnen. Das heisst er verbringt Zeit mit Ihnen, hat Gemeinschaft, diskutiert und lebt einfach unter und mit Ihnen. Daher finde ich es auch sehr gut wenn Christen ihre Werte und ihren Glauben dort leben wo er gebraucht wird, und das ist unter »Sündern«…MySpace ist eine gute Plattform, wo es auch schon viele Gemeinden etc. gibt

  3. Genauso habe ich früher auch gedacht, Jared. Aber mal ernsthaft, was hindert dich daran, z.B. bei Facebook eine Gruppe für Christen aufzumachen, dort kannst du dann ebenfalls Christen kennen lernen, über Glaubensthemen diskutieren uvm. Gleichzeitig haben andere Leute die Möglichkeit mit Christen in Kontakt zu treten, wo eine christliche Community eine unnötige Hürde wäre. Man befindet sich dann mitten im Leben, hat alle Vorteile einer christlichen Community, aber eben nicht unbedingt die Nachteile.

    Stell dir mal vor, du hättest die Zeit, die du in der Vergangenheit bei youthweb verbracht hast, in ein anderes Social Network investiert, um dort Leute kennen zu lernen usw. Meinst du nicht, dass das sinnvoller gewesen wäre? Ich will doch nicht in erster Linie Menschen kennen lernen, weil sie Christen sind, sondern weil sie mich als Mensch interessieren!

    Mittlerweile kann ich die Argumentation leider nicht mehr verstehen. Klar hatten und haben die Verantwortlichen vorbildliche Ziele mit ihren christlichen Communitys. Nur sollte man sich gleichzeitig fragen, ob diese uns nicht eher behindern, weil die Erfahrung zeigt, dass sich fast alle christlichen Jugendlichen dann nur noch in diesen Sub-Communitys herumtreiben.

    P.S. Ob MySpace eine so gute Plattform ist, sollten wir unbedingt noch diskutieren, Rudi ;) Ich finde sie ja grausam – vom Technischen und Gestalterischen.

  4. Ich denke mal es kommt drauf an, was man mit der Community erreichen will. Will man nur eine reine Community haben und fängt an Studivz oder Facebook zu kopieren und das Label »christlich« draufzubacken, ist der Sinn natürlich fraglich und man könnte genauso gut zu Facebook gehn. Obwohl: Facebook ist auf englisch, das mag für einige doch ne Hemmschwelle sein.

    Nun ist Facebook aber auch von den Funktionen eingeschränkt und bietet möglicherweise nicht die Features, die ich brauche (oder nur sehr umständlich). Dann spricht doch nichts dagegen, eine den eigenen Bedürfnissen angepasste Community zu starten. Wenn diese dann ein voller Erfolg wird und auch ne Menge Nichtchristen anzieht (und schließlich von Google für 2 Mio. gekauft wird) – warum nicht? Man muss den Markt ja nicht den Monopolisten überlassen.

  5. Peter,
    Ich meinte natürlich nicht das design von myspace sondern die idee und die band, gemeinden etc. die dort schon sind…da gibt es sicherlich vieles zu verbessern..

  6. Ich hab natürlich schon verstanden, worauf du hinauswolltest. Es sollte nur ein kleiner Scherz am Rande sein ;)

  7. Im großen und ganzen gebe ich dir Recht Peter.
    Aber ist es nicht so, dass viele Blogger bzw. Leute die web2.0 technisch versiert sind, auch ein weniger die Verbindung zur Basis verlieren?
    Ich denke, es gibt nicht viele Jugendliche in der christlichen Szene, die sich so im christlichen web2.0 zuhaus fühlen, als dass ihnen der Ghettofaktor zur Gefahr werden könnte.
    Sicher sollte es nicht zu einer Abschottung kommen, nur bevor wie davor wahnen und christliche Portale und Myspace-Pendants »verteufeln« sollten wir erst einmal sehen, wie wir vielen Jugendlichen (egal ob mit Jesus unterwegs oder (noch)nicht) ein Zuhause im Web geben können.
    Ob primäre Christlich oder »christlich unterwandert«.
    Dennoch, ich denke die Basis/bzw. das Duchschnittsjugendkreiskid ist weit von einer christlichen Webghettoisierung entfernt!

  8. Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar, Sandra. Aber ich muss ehrlich sagen, dass meine Erfahrungen bisher ein wenig anders ausgesehen haben. Vielleicht irre ich mich auch, aber der größte Teil von Jugendlichen, die ich so kenne, treibt sich überwiegend in den einschlägig bekannten christlichen Communitys rum – ohne eine Alternative zu kennen oder zu nutzen.

    Ich will das im allgemeinen gar nicht unbedingt »verteufeln«, aber ich stelle mir eben auch die Frage, ob es nicht sinnvoller und vorteilhafter wäre »normale« Plattformen (wie z.B. Facebook und MySpace) zu nutzen und dort ein »Zuhause« für Jugendliche zu finden.

    Vielleicht irre ich mich wirklich, aber ich hatte bisher den Eindruck, dass sich viele christliche Jugendliche ausschließlich in den christlichen Communitys (wie z.B. christeens, youthweb usw.) aufhalten. Evtl. sehe ich da auch zu schwarz, aber ich halte das doch für eine negative Entwicklung und auch Gefahr.

  9. Kommt vielleicht ja auch darauf an, auf welche Jugendlichen man schaut.
    »Meine« Jugendlichen in meiner Gemeinde kennen sicherlich nicht eine einzige chrsitliche Plattform.
    Ich kenne allerdings auch Jugendliche, die sich auf derartigen Portalen tummeln, für sie ist allerdings Myspace und christeens kein wiederspruch. Und als ich gerade mal ein wenig auf inyouth gestalkt habe (kannte ich vorher nämlich noch nicht mal) habe gleich beim ersten durchsehen gesehen, dass viele Jugendliche auch ihren Myspaceaccount angeben.
    D.h. für sie scheint es auch kein Widerspruch zu sein…

    Noch einmal: Ich geb dir Recht, das letzte was ich möchte ist Ghetto.. ich denke nur, davon sind wir ind Deutschladn (und erst Recht mit unseren veralteten landeskirchlichen Strukturen weit entfernt)… Wir sprechen uns wieder wenn jede Kirchengemeinde erst einmal ne Hompage hat… :)

  10. Pingback: inyouth.de wird geschlossen » DESIGN82 INTERACTIVE - Agentur für Webdesign und Grafikdesign

  11. Pingback: Christliche Online Ghettoisierung? Ein echtes Problem? « Pastor Sändy in the boonies