Als Germanistik-Student ist es ja fast schon eine Schande, dass ich bisher noch kein einziges Werk der neuen deutschen Popliteratur gelesen hab - aber man hat ja während dem Studium sowieso generell recht wenig Zeit neben dem Lesestoff der Uni noch etwas anderes zu lesen.
Um diese Lücke nun zu füllen, habe ich mir vor ca. zwei Wochen das Buch »Soloalbum« von Benjamin von Stuckrad-Barre gekauft. Es wurde damals (1998) von der Presse und den Medien in den Himmel gelobt und so dachte ich, dass es wohl ein geeigneter Einstig in diese moderne Literaturgattung wäre.
Ich muss ehrlich sagen, dass mich dieses Buch von der ersten Seite an total fasziniert hat, was nicht unbedingt an der Handlung lag, die ist eher ein wenig platt. Aber der Schreibstil des Autors ist einfach genial: direkt, ehrlich, sarkastisch, witzig - einfach klasse!
Inhaltliche Kurzbeschreibung
Die Ausgangssituation ist klassisch: Der Ich-Erzähler, gerade mal Anfang Zwanzig, ist soeben von seiner Freundin verlassen worden; nach vierjähriger Beziehung nun per Fax der Schlussstrich. Ende, aus, vorbei. Natürlich ist der Verlassene im Moment des Aus so verliebt wie in all den Jahren nicht. Trotz verschiedener »Soloprojekte« in der gemeinsamen Zeit, trotz der gelegentlichen Gastrolle als Single, fühlt sich der Erzähler schlecht wie schon lange nicht mehr: ach, wie immer schon. Gebührend wird der Verflossenen hinterhergetrauert: er ruft sie an, legt auf, geht joggen, sucht trinkend nach schnellem Ersatz, um doch nur wieder zurückzufallen, auf sie, auf sich und auf: OASIS. Denn natürlich hört er genau die Musik, die zu all seinem Unglück noch gefehlt hat. Götter des Britpop! »You and I gonna live forever?« Von wegen.
»Soloalbum« erzählt von schönen Mädchen und blöden Parties, von coolen CDs und steinewerfenden Greisen - aber wie jedes wirklich gute Buch erzählt es die ewige Story vom Lieben und Sterben, von sterbender Liebe. Und wie im richtigen Leben macht auch hier der Ton die Musik: Zurückgeworfen auf sich selbst, mit sich, der Liebe und dem Leben kämpfend, entwickelt der Erzähler einen Sound, der seinesgleichen sucht in der deutschen Gegenwartsliteratur. Und das ist auch noch äußerst lustig zu lesen.
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